Weggabelung, Schild mit mehreren Richtungshinweisen, Identitätssuche

Du musst nicht bleiben, wer du einmal warst

Identität ist nichts Starres. Manchmal beginn Entwickung genau dort, wo wir aufhören, an einer alten Version von uns festzuhalten.

Und was, wenn du gar nicht „so“ bist?

Wir sagen erstaunlich oft Dinge wie:

„So bin ich eben.“
„Ich war schon immer so.“
Das gehört einfach zu mir.“

Und irgendwann werden aus Erfahrungen Eigenschaften und aus Eigenschaften eine Identität.

Vielleicht warst du immer diejenige oder derjenige, die/der nachgegeben hat.

Die/der Vernüftige.
Die/der Starke.
Die/der Leise.
Diejenige/Derjenige, die/der niemandem zur Last fallen wollte.

Vielleicht hast du gelernt, dich anzupassen, Konflikte zu vermeiden oder deine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen.

Aber nur, weil etwas lange zu dir gehört hat, bedeutet nicht automatisch, dass es dein wahres Wesen ist.

Nicht alles, was lange da war, gehört für immer zu dir

Es gibt Verhaltensweisen, die uns so lange begleiten, dass wir irgendwann vergessen, dass sie einmal entstanden sind.

Vielleicht hast du gelernt, immer zuerst zu schauen, wie es den anderen geht. Vielleicht erklärst du dich ständig, obwohl du eigentlich nichts erklären müsstest. Vielleicht fällt es dir schwer, Nein zu sagen. Vielleicht wirst du still, sobald ein Konflikt entsteht. Oder du versuchst, möglichst wenig Raum einzunehmen.

Irgendwann fühlt sich das nicht mehr wie ein Verhalten an.

Es fühlt sich an wie Persönlichkeit.

„Ich bin eben so.“

Doch zwischen „So bin ich“ und „So habe ich gelernt zu sein“ kann ein gewaltiger Unterschied liegen.

Manche Seiten von uns sind tatsächlich Teil unserer Persönlichkeit. Andere sind Strategien, die irgendwann sinnvoll waren. Sie haben uns geholfen, dazuzugehören, Ablehnung zu vermeiden, Konflikte auszuhalten oder mit Situationen umzugehen, auf die wir damals vielleicht keinen Einfluss hatten.

Das macht diese Seiten nicht falsch.

Aber etwas kann einmal hilfreich gewesen sein und heute trotzdem nicht mehr zu unserem Leben und unseren Vorstellungen passen.

Das Schwierige beginnt oft genau dann, wenn wir etwas verändern.

Plötzlich sagen wir Nein, obwohl wir früher Ja gesagt hätten. Wir erklären uns nicht mehr endlos. Wir verlassen Situationen, die wir früher ausgehalten hätten. Wir sprechen Dinge aus, über die wir früher geschwiegen hätten.

Und es ist gut möglich, dass es sich zunächst nicht nach Entwicklung anfühlt. Sondern nach Schuld.

Nach Egoismus.
Nach Härte.
Nach dem Gefühl, jemand geworden zu sein, der man eigentlich gar nicht sein möchte.

Doch dieses Unbehagen ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass wir etwas falsch machen.

Und auch andere Menschen können darauf reagiern.

Wer eine bestimmte Version von uns gewohnt war, erlebt unsere Veränderung möglicherweise nicht als Entwicklung, sondern als Störung eines vertrauten Gefüges.

Vielleicht haben andere sogar recht, wenn sie irgendwann sagen „Du warst früher anders.“

Ja, vielleicht warst du das.

Und dennoch: Du schuldest niemandem deine alte Version.

Menschen verändern sich.

Wir sammeln Erfahrungen, hinterfragen Überzeugungen, erkennen MUster, verändern Prioritäten und treffen Entscheidungen, die wir vor einigen Jahren vielleicht niemals getroffen hätten.

Das ist kein Verrat an der Person, die wir einmal waren.

Im Gegenteil.

Wir dürfen anerekennen, warum diese frühere Version von uns so geworden ist. Wir dürfen verstehen, was sie gebraucht hat und wovor sie sich vielleicht schützen wollte oder musste.

Aber wir müssen nicht für immer in ihr wohnen bleiben.

Vielleicht besteht Entwicklung deshalb nicht darin, ein völlig neuer Mensch zu werden.

Vielleicht bedeutet sie vielmehr, Stück für Stück herausfzufinden, was bleiben darf – und was wir nicht länger brauchen.

Denn unsere Vergangenheit erklärt vieles.

Aber sie besitzt kein lebenslanges Entscheidungsrecht darüber, wer wir morgen sein dürfen. Und auch kein anderer Mensch besitzt das über dich.

Du brauchst niemandes Erlaubnis, um zu entscheiden,
wer du morgen sein möchtest.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert